Rennberichte

03.10.2017 - GCC-Abschluss: Riderman und Münsterland-Giro

Glück muss man haben! Waren die Wetterprognosen wenige Tage vor den letzten beiden German Cycling Cup-Rennen des Jahres noch von Regen geprägt, so präsentierten sich beide Veranstaltungsorte zu Rennbeginn jeweils in sonnigem Ambiente. Den Auftakt zum dreitägigen „Riderman“ macht jeweils das 16km-Einzelzeitfahren, gespickt mit 190 Hm. Mit einem 7.Platz in der AK waren Ergebnis und Zeit nicht ganz befriedigend, wenngleich drei Fahrer vor mir ausschließlich für das EZF gemeldet hatten. Leider lief es am Samstag auf der 110km/1580Hm-Etappe auch nicht wie erhofft. Zwar immer in einer guten Gruppe unterwegs, die ich erst 3km vor dem Ziel nicht mehr halten konnte, aber mehr als ein 8. Platz war an diesem Tag nicht drin. Wie im Vorjahr sollte es auf der 3.Etappe (87km/1000Hm) wieder besser gehen. Dennoch erneut ein 8.Platz. Aber in der Zusammenfassung aller 3 Etappen reichte es zu einem 6. Rang in der AK-Wertung. Da mehrere direkte AK-Konkurrenten wohl verletzungsbedingt nicht am Start waren, ergab sich die Situation, dass ich vor dem abschließenden Rennen in Münster den 2.Platz in der diesjährigen GCC-Gesamtwertung der AK Master4 bereits sicher hatte.

So konnte ich nach nur einem Ruhetag am 3.Okt. in Münster über die absolut flachen125 km entspannt an den Start gehen. Das Feld stürmte nach dem Start gleich mächtig los. Die ersten 6 km ging es mit 50-55 km/h dahin. Wie sollte das enden? Ein Sturz im Feld riss ein Loch zur Spitze. Danach beruhigte sich das Geschehen in der großen Verfolgergruppe, der ich angehörte. Manchmal schien es mir gar zu ruhig. Aber ich fuhr ja auch nicht im Wind. Und letztlich resultierte immer noch ein Schnitt von fast 41 km/h. Leider gab es wie jedes Jahr in Münster wieder diverse unnötige Stürze, wie auch der meines Teamkollegen vom Sebamed Racing Team, der den GCC-Gesamtsieg bei den Master4 bereits in der Tasche hatte. Durch seinen Ausfall gab's für mich nochmal einen 3.Rang im Tagesergebnis, bevor zum Abschluss die Ehrung zum 2.Platz in der AK-Gesamtwertung folgte. Mit dem guten Gefühl nach 6 Jahren in Master4 zweimal gewonnen zu haben und zum 4. Mal Zweiter geworden zu sein, ging es nach Hause.

 

Erich

10.09.2017 - Erich beim Velotörn Bremen

Nach verregneter Clubmeisterschaft ging es für mich noch am Nachmittag nach Bremen, um dort am Sonntag das 100 km-Jedermannrennen des Velotörns zu bestreiten. Glücklicherweise hatte Petrus ein Einsehen und bescherte uns schönes Wetter. Durch den späten Start um 12:30 waren auch die zunächst frischen Temperaturen bereits bei knapp 20°C angelangt, als es in kurz/kurz mit meinen Teamkollegen Freddy und Jonas los ging. Zu fahren waren 9 mal 11,3km-Runden im Gebiet der Bremer Überseestadt, vorbei an Lagerhäusern, Industriefirmen, aber auch hippen neuen Wohnhäusern mit Weserblick. Die Strecke zwar flach, aber dennoch mit Schwierigkeiten. So mussten auf jeder Runde fast 2 km auf Kopfsteinpflaster-Passagen bewältigt werden. Und dass es in Küstennähe windig ist, überrascht niemanden.

Konnte ich im Feld der gut 200 Fahrer in der 1.Runde noch die ca.55 Fahrer starke Spitzengruppe halten, so verlor ich anfangs der 2.Runde mit 4 weiteren Fahrern den Anschluss. Noch eine Runde hatten wir die Spitze immer im Blick, doch das Loch zuzufahren war nicht drin, zumal sich die Gruppe auch auf 4 Mann reduzierte. In der 5.Runde gab's zum Glück Verstärkung von hinten und später auch von vorn. Mit nunmehr ca. 15 Fahrern in der Gruppe musste jeder nicht mehr so viel im Wind fahren. Wenn da nur nicht immer wieder die gepflasterten Abschnitte volle Kraft gefordert hätten. Als sich 1000m vor dem Ziel zwei Fahrer leicht nach vorne absetzten und zunächst niemand folgte, versuchte ich es, in der sicheren Erwartung auf den letzten 200m von hinten überrollt zu werden. Das Loch zu den beiden konnte ich nicht mehr schließen. Aber der erste, der von hinten kam, schaffte es auch erst hinter der Zielinie, an mir vorbei zu fahren. So konnte ich mich über einen guten 55. Gesamtrang und meinen ersten AK-Saisonsieg freuen.

 

Erich

29.08.2017 - Erich bei UCI Gran Fondo World Championships

UCI 2017 Gran Fondo World Championships in Albi/F

 

Die 7. Austragung der UCI Weltmeisterschaft für Amateure und in den Altersklassen war, nach Perth im vergangenen Jahr, in diesem Jahr wieder nach Europa, ins südfranzösische Albi vergeben worden. Dass diese WM zunehmend an Interesse gewinnt, zeigt sich an der Rekordzahl der Teilnehmer, die  zuvor in 20 weltweiten Qualifikationsrennen oder über Wild Cards ihrer Verbände die Startberechtigung erhalten hatten. In der Addition aus Zeitfahren und Straßenrennen waren 2940 Starter/innen aus 56 Nationen gemeldet. Zahlenmäßig am stärksten vertreten waren die Briten mit 910 Starter/innen, gefolgt von den Franzosen und den Australiern. Dass Deutschland mit 75 erst an 8. Position noch hinter Neuseeland zu finden ist, ist sicher auch der fehlenden Qualifikationsmöglichkeit in Deutschland geschuldet und dem nicht spürbaren Interesse des BDR an dieser WM. Zum Trost sei aber auch gesagt, dass Masse nicht Klasse ist und die britischen Fahrer/innen mit wenigen Ausnahmen eher auf den hinteren Plätzen zu finden waren.

Das 22,9 km Einzelzeitfahren mit ca. 105 Hm startete und endete auf der Autorennstrecke am Rande von Albi. Vorab wurden alle Räder nicht nur auf UCI-Zulassung und Einhaltung der speziellen Einstellmaße für Zeitfahrmaschinen, sondern neuerdings auch auf verborgene E-Motoren überprüft. Nach den Frauen, die als erste am Tag starteten, hatte ich mit meiner AK 65-69 und der Startzeit von 10:23 noch Glück. Die Temperaturen um 27°C waren noch erträglich. Anders bei den jungen AK's, die am Nachmittag bei deutlich über 30°C ins Rennen gingen. Von meiner Besichtigungsrunde vom Vortag wusste ich, dass mit Verlassen der Autorennstrecke der gute Asphalt leider sein Ende hat. Doch mit leichtem Schiebewind und der neu montierten Scheibe am Hinterrad konnte ich die flachen ersten 8 km bis zur Steigung mit einem 42er Schnitt bei 95% max. Puls bewältigen. Im zwar nur 1000m langen 4%-Anstieg spürte ich bereits die Anstrengung des Anfangs. Da waren auf der Abfahrt nach 12 km die kurzen Augenblicke der Erholung hoch willkommen. Bereits längere Zeit im Blick, gelang es auf der flachen Rückfahrt, zwei vor mir gestartete Fahrer zu überholen. Immer ein gutes Gefühl beim Zeitfahren! Leider wurde aber auch ich in dieser Phase Opfer einer Überholung. Zurück auf der Autorennstrecke hatte die Rumpelei über schlechten Belag zwar ein Ende, dafür war man nun dem leichten Gegenwind absolut ungeschützt ausgesetzt. Die letzten 2 km zogen sich wie Kaugummi, bevor mich nach Passieren der Zielkurve der Wind wieder von hinten unterstützte und mit 46 km/h ins Ziel fahren ließ. Als 18. von 30 AK-Startern aus 18 Ländern gab es keinen Grund zum Jubel aber auch keinen Grund zum Unglücklichsein.

Beim Straßenrennen am Sonntag mit Start an der Kathedrale, dem Wahrzeichen Albi's, ging es erst mal chaotisch zu. Alle über 2000 Fahrer/innen hatten sich in einer engen Straße bunt gemischt angesammelt. Nun sollten die verschiedenen AK's/Startblöcke nach vorne kommen. Jeder Startblock hatte seine eigene Startzeit. Angesichts der engen und vollen Straße kein einfaches Unterfangen. Nur gut, dass ich im letzten Männerblock mit den AK's 65-69, 70-74 und 75+ startete. Hinter uns nur noch Frauenstartblocks. Die 97km-Strecke mit ca.950Hm für alle Männer über 60 und alle Frauen kannte ich bereits vom Qualifikationsrennen des Vorjahres. Eine Trainingsrunde über den hügeligen 77 km Abschnitt zwei Tage zuvor hatte mir die Strecke wieder in Erinnerung gebracht.

 

So ging es denn im Block der ca.150 „alten Männer“, davon 94 in meiner AK, zunächst neutralisiert bis zur Stadtgrenze. In den deutschen Farben mit dabei Robin Schumann vom Niederrhein, Hans Bauer, letztjähriger Dritter und in Neuseeland ansässiger Vater des Radprofi's Jack Bauer sowie mein Teamkollege Gerhard Hack aus dem Sebamed Racing Team.

 

Meine Befürchtung, gleich an den ersten Steigungen den Anschluss an die Spitze zu verlieren, bestätigte sich nicht. Im dichten Pulk schienen sie flacher geworden zu sein. Eine kurze steile Abfahrt mit enger Kurve zog das Feld nur kurz auseinander, bevor an der Streckenteilung (die AK's unter 60 fuhren 155 km) ein lauter Knall erschreckte. Ein Blick nach unten ließ mich durchatmen. Der vermutliche Reifenplatzer war nicht bei mir passiert. Um etwaige Ausreißversuche mitzubekommen, hielt ich mich immer im Bereich der ersten 30 Fahrer auf. Nach dem ca. 10 km langen 3-5%-Anstieg gab es für einige Verwirrung. Bei einer zwischenzeitlichen Wiedervereinigung mit der 155 km-Strecke fuhr eine Gruppe AK19-34 unmittelbar vor uns. Als diese 2km später an einer 2.Streckenteilung abbogen, glaubten einige trotz ausreichender Ausschilderung, ihnen folgen zu müssen. Streckenkenntnis ist halt auch immer von Vorteil! Der höchste Punkt des Kurses war nun erreicht. Zeit zum Verpflegen und Durchschnaufen auf der Abfahrt nach Cordes-sur-Ciel, einem auf einer Bergkuppe malerisch gelegenen mittelalterlichen Ort.

 

Immer noch in der Spitze, wusste ich aus 2016, dass nun der Anstieg der Wahrheit folgt. Aber wie im Vorjahr gelang es, wenn auch nur mit max. Puls, dran zu bleiben. Auch an den zurück ins Tarn-Tal schwächer werdenden Wellen änderte sich daran nichts. Dennoch muss sich der spätere Sieger Rudolf Sluyts aus Belgien hier irgendwo unbemerkt abgesetzt haben. Der Rennüberblick wurde allerdings zunehmend durch eingeholte Fahrer der AK60-64 erschwert, deren 7 Min. Vorsprung vom Start aufgezehrt war. Auch Robin Schumann versuchte es ca.12 km vor dem Ziel alleine.

 

In der flachen Anfahrt zum Ziel, welches wiederum auf der Autorennstrecke plaziert war, kam es aus unerfindlichen Gründen ca. 2,5 km vor dem Ziel zu einem Sturz in der bereits kleiner gewordenen Gruppe. Der vor mir fahrende Hans Bauer konnte nicht mehr ausweichen und stürzte ebenfalls. Ich konnte mit einer Vollbremsung so gerade noch meinen Sturz verhindern. Da ich praktisch zum Stehen gekommen war und bei der zu erwartenden Sprintentscheidung um die Plätze vermutlich das Nachsehen gehabt hätte, entschied ich mich, Hans zu helfen, zumal er zunächst ziemlich regungslos am Boden lag. Im Gegensatz zum Österreicher Hrinkow, der mit blutüberströmten Gesicht ins Ziel kam, hatte es Hans zum Glück wohl nicht so schlimm erwischt. Locker rollten wir gemeinsam ins Ziel.

Gerhard Hack hatte sich im Sprint um die Podiumsplätze 2 und 3 mit dem undankbaren Rang 4 zufrieden geben müssen. Robin Schumann konnte seine Flucht nicht erfolgreich abschließen und landete auf Platz 21. Glaubte ich, durch den Sturz seien alle an uns vorbei gezogen, so stellte ich beim Blick auf die Ergebnisliste erstaunt fest, noch 37. und 38. geworden zu sein. Offensichtlich hatten wir 55 Fahrer deutlich distanziert.

 

Erich

13.08.2017 - Erich beim Velorace Dresden

GCC-VELORACE Dresden

 

Unverhofft kommt oft. Eigentlich wollte ich dieses Jahr das GCC-Rennen in Dresden auslassen. Da der 105km-Stadtkurs fast keine Höhenmeter aufweist und ich mit meinem Abschneiden in den vergangenen Jahren selten zufrieden war, hatte ich mich in der Saisonplanung gegen Dresden entschieden. Doch nach dem zufriedenstellenden 5.Platz in der AK über die 150km auf dem Nürburgring sah ich wieder eine vage Chance, zum Saisonende nochmals einen Podiumsplatz in der GCC-Gesamtwertung der AK zu erringen.

So stand ich denn kurz entschlossen doch wieder im üblichen Startblock A mit meinen AK-Konkurrenten und vielen Bekannten aus dieser Rennserie. Der Start erfolgte dieses Jahr direkt an der Dresdner Frauenkirche. Neutralisiert ging es bis zum Elbufer und dann in 5 Runden mit je 21km um die Altstadt und am Elbufer entlang mit einem Abstecher über die neue Waldschlösschenbrücke und zurück. Mitte der ersten Runde wurde ich durch einen Sturz, der vor mir bei einer der vielen Straßenbahnschienen-Querungen passierte, kurz aufgehalten. Das reichte jedoch, um den Anschluss an die schnelle Spitzengruppe zu verlieren. Mit einer etwa 15 Fahrer/innen umfassenden Gruppe gingen wir Abgehängten in die aussichtslose Verfolgung. Aber auch einige aus der Spitzengruppe mussten dem 46er Schnitt Tribut zollen, fielen aus der Gruppe heraus und wurden von uns eingesammelt. Mitte der 3.Runde wurde es feucht. Doch die Wolke mit leichtem Nieselregen verzog glücklicherweise recht schnell. Die Straße trocknete wieder ab. Mittlerweile hatten unsere Gruppe auch ein paar starke Jungs aus dem mit zeitlicher Abstand gestarteten B-Block eingeholt. Das Tempo stieg.

Davon profitierte letztlich die ganze Gruppe und verhinderte so den Aufschluss einer weiteren großen Gruppe von hinten. In der letzten Runde konzentrierte ich mich ganz auf das Hinterrad meines AK-Konkurrenten M.Bock, um im Zielsprint, die Nase vorn zu haben. Das gelang! Auf der ganz leicht abfallenden Zielpassage am Terrassenufer konnte ich auf der linken Straßenseite vorbei ziehen, während er rechts eingebaut war.

 

Fazit: ein unerwarteter 2.AK-Platz mit einem Schnitt von 41,4 km/h.

Das gibt Motivation und Selbstvertrauen für die Ende August als nächstes anstehenden UCI-Granfondo World Championships mit EZF und Straßenrennen in Albi/F.

 

Erich

06.08.2017 - Erich bei der Alpen Challenge

Alpen Challenge/ Lenzerheide

 

Musste das Wetter wirklich so übel mitspielen? Beim Briefing am Samstag am neuen Biathlon-Zentrum Lenzerheide herrschten sommerliche Bedingungen. Klar, die Wetterprognose für den Rennsonntag versprach etwas Regen und Gewitter. Aber am Montag sollte schon wieder  Sonnenschein dominieren. Konnte es da am Sonntag so schlimm werden?

 

So gingen am Sonntagmorgen um 7:00 bei kühlen, aber trockenen Verhältnissen die vier Startblocks auf die neutralisierte 10km-Abfahrt hinunter nach Alvaneu. Dort dann die Freigabe des Rennens. Langsam steiler werdend ging’s durch Bergün und Preda zum 1350m höher gelegenen Albula-Pass. Die weltberühmte Eisenbahnstrecke über den Albula mit dem Landwasser-Viadukt versteckte sich leider im dichter werdenden Nebel. Leichter Regen setzte ein, von ferne war das dumpfe Grollen von Gewitter zu hören. Die Verpflegungsstelle auf der Passhöhe rechts liegen lassend fuhr ich vorsichtig in die nasse Abfahrt nach La Punt. Ähnliche Verhältnisse hatten auch die Fahrer der „Tour de Suisse“ ein paar Wochen zuvor. Doch während deren Etappe in La Punt endete, ging es für uns erst richtig los. Auf der schnurgeraden Straße in Richtung St.Moritz fand sich schnell eine flotte Gruppe. Ein paar wenige Sonnenstrahlen machten noch einmal Hoffnung auf besseres Wetter. Vorbei an St.Moritz präsentierte sich die Straße sogar fast trocken. Da war für mich klar, dass ich die lange Runde mit 190km/4100Hm in Angriff nehme. Die Möglichkeit „nur“ die Classic-Runde über den Julier-Pass mit 116km/3100Hm hätte bestanden. Im Nachhinein wohl die falsche Entscheidung. Denn nur wenige Kilometer hinter der Streckenteilung in Silvaplana setzte der Regen wieder ein, stärker als zuvor. Die folgende Maloja-Passhöhe ist von Norden kommend fast eben, nur mit wenigen Höhenmetern zu erreichen. Aber auf der 32km langen Abfahrt ins 1500m tiefer gelegene italienische Chiavenna wurde aus Regen ein Gewitterguß, die Straße zum Bach und das Rennen zur Regenschlacht. Immerhin, der Regen wurde wärmer. War die lange Abfahrt ein Kampf mit dem Wasser gewesen, so folgte nun der nicht endende 30km lange Anstieg zum Splügen-Pass über ca. 1800 Hm. Dem Regen als treuem Begleiter gesellte sich in Passnähe wieder Nebel und ein kalter Wind hinzu. Zum Überfluss versperrten auf dem Weg ins Tal nach Splügen zur Verpflegung auch noch Autos die Straße, da sie sich in den engen Kehren nicht begegnen konnten. Durchnässt und durchgefroren erreichte ich die Verpflegungsstelle. Eine warme Bouillon und die mit mir um die Wette klappernden Zähne der anderen Teilnehmer bauten mich wieder ein wenig auf. Die 26 km Abfahrt nach Thusis durch die Rofla-Schlucht und die Via Mala wären bei schönem Wetter gewiss ein Genuss gewesen, im anhaltenden Regen ein nicht enden wollender Kampf mit Kälte und Nässe. So bieten die letzten rund 18 km und 700 Hm bergauf ins Ziel zumindest die Chance wieder ein wenig „aufzutauen“. Speziell in den Tunnels war die Luft angenehm wärmer.

 

Nach 9h 6,5min habe ich das Ziel erreicht. Wie ich später lese, als 7. von 8 Plazierten meiner AK. Gemeldet waren an sich 29. Aber die anderen waren wohl schlauer und haben sich unterwegs  noch für  die kürzere Runde entschieden oder mussten dies wegen verpasster Karenzzeit in Silvaplana zwangsweise tun. Der Gedanke an eine Wiederholung im kommenden Jahr kam bei mir noch nicht auf.

 

Erich

27.07.2017 - Granfondo San Gottardo, Rennbericht von Dr. Erich Hammerschmidt

 

Das Konzept hat was. Beim Granfondo San Gottardo mit Start in Ambri auf der Südseite des Gotthardpasses wird nicht die Gesamtzeit über die 110km-Strecke gewertet, sondern die Zeiten für die Bergauf-Fahrten auf den Gotthard- (2091m), Furka- (2436m) und Nufenen-Pass (2478m) werden separat erfasst und addiert. So umgeht der Veranstalter weitreichende Straßensperrungen, die er vermutlich auch nicht genehmigt bekäme. Nur die Strecke vom Start bis zur Gotthard-Passhöhe ist für das Rennen gesperrt. Da die Strecke aber über die alte, gepflasterte Tremola-Passstraße führt, ist der normale Autoverkehr kaum betroffen. Im weiteren Verlauf ist das Feld ohnehin weit auseinander gezogen. An den Verpflegungsstationen auf den Pässen kann man sich Zeit lassen. Aber der Überblick über die eigene Rennposition geht natürlich verloren. Das gewohnte Rennfieber stellt sich auch nicht ein. Mit anderen Worten: Jeder fährt 3 Einzelbergzeitfahren gegen sich selbst. Aber in den Abfahrten muss man auch nichts riskieren, was angesichts des Autoverkehrs einfach sicherer ist.

Das heftige Gewitter in der Nacht ist Vergangenheit als pünktlich zum Start die Sonne über den Bergkamm klettert. Zügig aber nicht hektisch gehen die rund 750 Teilnehmer die Strecke nach Airolo an, befindet sich doch dort erst die Zeitnahme für die 900Hm zum Gotthardpass. Meine Zielsetzung ist, mangels direkter und mir bekannter Konkurrenten meine Teilzeiten aus dem Vorjahr an den drei Pässen zu wiederholen. Bis auf wenige Sekunden gelingt das am Gotthard- und auch am folgenden Furka-Pass. Schön, dass es dort auch heiße Brühe gibt. Denn der Wind weht kalt. Auf der nicht enden wollenden Abfahrt ins 1100m tiefer gelegene Rhonetal wird’s wieder wärmer.

Mit der Nufenen-Passstraße am Ortsausgang von Ulrichen wartet als dritter Anstieg nun der längste und mit häufig 9-10% steilste Abschnitt auf mich. Es wird zäh. Ca. 2km vor dem Ziel/Passhöhe muss ich mich übergeben. Habe wohl angesichts des tollen Angebots an den Vepflegungsstationen  zuviel feste Nahrung zu mir genommen. Positiver Effekt: Die letzten 2km und knapp 200Hm fliege ich geradezu wieder nach oben. Lohn der „Quälerei“ ist ein 5.Platz von 33 in der AK über 60J. und 3:18:00 für in Summe ca.3000Hm.

 

Erich

25.06.2017 - Schleizer Dreieck Jedermann 141km, Rennbericht von Dr. Erich Hammerschmidt

Sonntagmorgen bei recht windigem, ansonsten aber bestem Radsportwetter am Start der 141 Kilometer Strecke. Die Strecke, von je her eine der schönsten und anspruchsvollsten im GCC, wurde in diesem Jahr leicht modifiziert. Einige Abschnitte sind hinzugekommen, insbesondere die Zielanfahrt ist verändert. Herausgekommen ist ein Kurs, dessen 3 Runden mit insgesamt 141 km und knapp 2000 Höhenmeter bereits auf dem Papier Eindruck machen. Viele Abschnitte finden auf Wirtschaftswegen statt, teils recht zerrüttet. Fast durchgehend geht es rechts, links, hoch und runter. Dazu bläst auch noch ein im Rennverlauf zunehmender strammer Westwind. Übel für mich, denn als Leichtgewicht mag ich Windrennen überhaupt nicht. Es sei bereits hier gesagt: diese Zutaten lassen aus dem Rennen eines der härtesteten GCC-Rennen werden, das ich je gefahren bin.

 

Direkt vom Start geht es über die altehrwürdige Autorennstrecke in das erste Ausscheidungsfahren. Nach zwei schnellen, abfallenden Rechtskurven geht es auf der Gegengerade der alten Rennstrecke in eine Steigung, an deren Ende ich mit vielen anderen bereits den Anschluss an die Spitzengruppe verliere. Erst nach Abbiegen auf die Straße nach Lössau bin ich richtig im Rennen. Der hier glücklicherweise herrschende Rückenwind, macht den langgezogenen leichten Anstieg erträglich und ich finde mich mich mit meinen AK-Konkurrenten Hack, Zebralla und Bock und diversen anderen Bekannten in einer großen, kaum zu überblickenden Verfolgergruppe zur bereits enteilten Spitze. Mit Mühe kann ich die Gruppe bis zum Ende der 1.Runde halten. Aber bereits bei der 1.Zieldurchfahrt hänge ich an deren Ende. Auf der folgenden Abfahrt ist sie für mich zwar noch in Sichtweite, aber endgültig weg. Von hinten ist zunächst nichts zu sehen, doch noch vor der Abzweigung nach Kirschkau holen mich Rene Haber und Steffen Fuchs ein, die, wie ich später feststelle, bereits vor mir, aus der großen Verfolgergruppe herausgefallen waren. Zu dritt fahren wir  dann in den Rest der 2.Runde. Zwischenzeitlich eingesammelte Fahrer können dank Rene nicht lange unser Tempo halten. Zu Beginn der 3.Runde holen wir einen Haberich-Kollegen von Rene ein, der mit Krämpfen und Schaltproblemen zu kämpfen hat. Wenig später auch den allein fahrenden Dirk Zebralla. Auch ihn plagen Krämpfe und er ist nicht mehr in der Lage, sich an uns dranzuhängen. Als Rene bei seinem Haberich-Kumpel bleibt, dessen technische Probleme hinter Dittersdorf eskalieren, fahre ich den Rest des Rennens nur noch mit Steffen von Geschenke-online und zum Schluss mit Christopher Pyhel von der Kinderkrebsstiftung, einem weiteren Krämpfe-Opfer, ins Ziel.

Der Härte des Rennens geschuldet gibt es einen für GCC-Rennen seltenen Zieleinlauf: die Spitzengruppe umfasst gerade mal 8 Mann, dahinter einer allein, dann wieder 10, dann wieder einer, dann zwei, dann einer, alle in deutlichen Abständen voneinander. Das, was normal ein Zielsprint sein soll, sieht bei allen mehr wie ein „ins-Ziel-schleppen“ aus. Und so geht es weiter, die größten gemeinsamen Verbände umfassen 15 Fahrer. Gefühlt die Hälfte aller Starter kommt solo ins Ziel. So krass haben sich Wind und Strecke ausgewirkt.

Unter diesen Umständen bin ich nach 4:21:23 und einem Schnitt von 32,4 km/h zufrieden, als 3. meiner AK mal wieder einen Podiumsplatz erreicht zu haben.

 

Dass mich anders als bei „Rund um Köln“ nicht ebenfalls Krämpfe heimsuchten, verdanke ich den Flaschenreichungen meines Teams, auf die ich in Köln noch glaubte verzichten zu können.

 

Erich

18.06.2017 - Kaunertaler Gletscherkaiser, Rennbericht von Dr. Erich Hammerschmidt

Kaiserwetter beim „Gletscherkaiser“ im Kaunertal! Es gibt in den Alpen nicht viele mit dem Rennrad zu befahrende Straßen, die auf Höhen von über 2700m führen. Am bekanntesten ist sicher die Stilfser Joch Passstraße mit 2757m. Sie ist damit aber nur 7m höher als die Stichstraße zum Gletscherskigebiet am Ende des Kaunertals. Diese Herausforderung verbunden mit dem Reiz des Neuen, verpackt in ein kurzes, aber anspruchsvolles Radrennen waren Anlass genug zur erstmaligen Teilnahme. Denn trotz häufigen Befahrens der Inntalstraße von Landeck Richtung Reschenpass oder ins Unterengadin mit Auto, Motorrad und auch Rennrad in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hatte ich bislang in Prutz immer nur den Abzweig ins Kaunertal zu Kenntnis genommen und den Blick auf das Gletscherskigebiet kannte ich nur vom morgendlichen Alpenpanorama in 3SAT.

Der Start in Feichten (1278m) hat eher symbolischen Charakter. Denn zum Einrollen, das Warmfahren sollte man zuvor erledigt haben, geht’s erst einmal 11km neutralisiert nur bergab nach Prutz im Inntal. Nun folgen 40 harte Rennkilometer. Naja, mit 2150 Hm vor der Brust bis ins Ziel zieht sich das Feld doch sehr schnell auseinander, um am Ende eher zum Bergzeitfahren zu mutieren. Doch erfreulicherweise ist der Anstieg keineswegs monoton was die Steigungsprozente angeht. Immer wieder folgen auf harte 13% Steigung flachere Passagen und sogar kurze Abfahrten, die einen zumindest ein paar Sekunden verschnaufen lassen. Wohl dem, der hier in einer kleinen Gruppe ein bisschen Windschatten findet. Das gilt insbesondere für die fast flachen rund 5km entlang des Gepatsch Stausees, bevor die letzten 1000Hm in Angriff zu nehmen sind. Wer zur Motivation keinen Vordermann oder -frau mehr hat, kann die 23 nummerierten Kehren rückwärts zählen oder mit dem häufigen Blick auf den Höhenmesser am Tacho sich daran erfreuen, dass es nur noch x00Hm bis ins Ziel sind. Leider ändert dies nichts daran, dass die eigene Leistung nicht nur mit der Zeit, sondern auch mit der Höhe und der dünner werdenden Luft nicht besser wird. Über einen Zielsprit brauchte ich mir keine Gedanken machen. Knapp vor mir zwei junge Frauen und mit Blick nach hinten war niemand in Sichtweite.

Lohn der Anstrengung nach 2:42:34 : ein 2.Platz in der AK und ein origineller Pokal! Und eine rasante Genussabfahrt zurück zum Start mit herrlichen Ausblicken in die alpine Landschaft!

Ein lobendes Wort hat auch der Veranstalter verdient. Ob Anmeldung, Gepäcktransport, Verpflegungsstationen, Siegerehrung, Pasta und Getränk oder Bustransfer. Alles war gut organisiert und das bei nur 25€ Startgebühr. Also nichts wie hin im nächsten Jahr! Kaiserwetter incl. ist versprochen.

 

Erich

11.06.2017 - Rund um Köln, Rennbericht von Kati Leiss-Müller

Mein erstes Rennen

 

Nach nun schon einigen Jahren Vereinszugehörigkeit und viel viel Training sollte es dieses Jahr zum ersten Mal soweit sein: Ich hatte einen Startplatz bei „Rund um Köln“. Die Aufregung war groß und an langen Schlaf die Nacht zuvor nicht zu denken. Würde ich es schaffen? Musste ich am Kopfsteinpflaster absteigen? Wie sieht der Besenwagen aus – kann ich ihm davon fahren?

Das Müsli war am Sonntag kaum herunter zu bekommen und mein Mann und ich machten uns mit einem gemeinsamen Freund gegen 09.00 Uhr morgens auf in Richtung Köln, natürlich auf dem Rad. In Köln angekommen wäre ich am liebsten rasch wieder davongefahren, aber ein Zurück wäre doch blöd gewesen. Da ich meinen Startplatz einer Ausschreibung zu verdanken hatte, konnte ich mir – neben ein paar unwesentlichen Kleinigkeiten -  aussuchen, in welchem Block ich starten wollte, denn der „VIP-Block“ war zwischen A und Bn vorgesehen. Wir wählten wir letzte Drittel des C-Blocks aus.

 

Nur noch wenige Minuten… und es rollte los. So auch ich. Und was dann geschah kann ich kaum in Worte fassen. Das Rollen wurde zum Fahren und   es ging immer schneller voran. Die Startlinie längst hinter mir gelassen, nahm ich links und rechts überall erfreute Menschen wahr, die mich anfeuerten. Was für ein Gefühl. Die Straße gehörte mir. Kein Auto und keine rote Ampel musste ich beachten. Die Gefahrenstellen (Rheinufertunnel, querende Straßenbahnschienen und enge Kreisverkehre) eine nach der anderen hinter mir lassend kam auch bald der erste Anstieg. Und der machte sogar Spaß. Ich genoss so langsam aber sicher die riesengroße „Party“, die sich rund um Köln abspielte. Die Geraden und Abfahrten zum Ausgleich genutzt, kam auch rasch die berühmte und berüchtigte „Wand von Sand“ (der Zweite Anstieg), die ich aber schon seit Jahren kannte – gleichwohl hatte ich natürlich Respekt vor der der „fiesen“ Kuppe. Es  muss eine große Gruppe gegeben haben, die mich anfeuerte – ich hörte sie jedoch nicht. Ich war eins mit dem Berg. Aus dem Sattel kam ich oben an und genoss auch die nächste Abfahrt – und die Hälfte war schon geschafft. Nun noch Schloss Bensberg - und dort war es rappelvoll. Viele viele Vereinskolleginnen und -kollegen standen am Rande und feuerten an, unzählige Menschen standen rund um das Schloss und feierten - es war ein Gaudi. Auch das Kopfsteinpflaster wie in Trance hinter mir gelassen konnte nun langsam was für den Schnitt getan werden ;-)

 

Und so ging es die letzten 15 Kilometer nach Köln in relativ zügigem Tempo gerade aus. Ein Highlight noch die Severinsbrücke und deren Abfahrt, die breiten Straßen von Autos leergefegt – der Blick auf Köln, den Dom, die Sonne -  die Zeit stand still - und dann war ich schon im Ziel.

 

So schnell ging es vorbei – so viele Wochen habe ich mich darauf vorbereitet und Schmetterlinge im Bauch gehabt – so glücklich und stolz bin ich mein erstes Rennen gemeistert zu haben. Eine ganz wunderbare Erfahrung bin ich nun reicher. In einer Zeit von 2 Stunden und 22 Minuten kam ich glücklich ins Ziel.

Ich danke meiner Eskorte für die Unterstützung während des Rennens – ich weiß, Ihr seid nur für mich so langsam gefahren. Ich danke allen Trainern der Staubwolke und auch den Mitgliedern für die gute Vorbereitung, die, die es wussten und die, die es bis kurz vor dem Start noch nicht wussten. Und wer weiß... ob es das letzte Rennen für mich war…..

 

Und Ihr da draußen, die Ihr überlegt, ob Ihr Euch trauen sollt – einfach machen – es lohnt sich!!!

 

Katharina Leiss-Müller, Juni 2017